Ein Sägegatter für die Schleifmühle Schwerin

 

Historische Steinsäge aus industrieller Frühzeit soll neues Ausstellungsobjekt werden

Vor einiger Zeit wurde dem Stadtgeschichts- und -museumsverein Schwerin e. V. für die von ihm betriebene Schweriner Schleifmühle eine Stein-Gattersäge aus dem Steinmetzbetrieb Renger in Altentreptow angeboten.
Die Säge ist etwa um 1910 gebaut und kam Anfang der 1930er Jahre nach Altentreptow. Der Großvater des heutigen Steinmetzmeisters baute die Anlage dort auf, wo sie noch bis in die 1970er Jahre arbeitete.

Das Prinzip der Säge entspricht dem der historischen Anlage in der Schleifmühle: Ein sich hin- und herbewegendes, ungezahntes Eisenblatt schleift Quarzsand, der mit Hilfe von Wasser unter das Blatt gespült wird, durch den Stein. Im Unterschied zur hölzernen, wassergetriebenen Technik der Schleifmühle handelt es sich bei dieser Gattersäge um eine Eisenkonstruktion, die durch einen Elektromotor über ein Schwungrad und  eine Transmission angetrieben wird.

Die Dimensionen der Säge sind außergewöhnlich: Das Sägeblatt überspannt eine Weite von fast fünf Metern, an jeder Seite erheben sich zwei gusseiserne Doppelständer, zwischen denen eine Traverse aus doppelten T-Trägern mit seitlichen Gewichten zwischen den seitlichen Ständern liegt, die über vertikale Spindeln höhenverstellbar ist.
An großen Eisengewichten, die an jeder Seite zwischen den Ständern laufen, befindet sich im

 unteren Bereich beidseitig die Vorrichtung zum Einspannen des eisernen Sägeblatts. Angetrieben wird die Säge von einem seitlich aufgestellten Schwungrad, das über eine Pleuelstange das Sägeblatt bewegen kann. Auf der Welle des Schwungrads sitzen gleichzeitig die Riemenscheiben für die Transmission, die das Heben und Senken der Traverse und damit der Säge bewirken.

Aufgrund der bisherigen Recherche, scheint es sich bei dieser Anlage um das einzig erhaltene Sägegatter für Steine in Deutschland zu handeln. Wohl aus dieser Kenntnis heraus, hat Steinmetz Renger die Säge erhalten wollen und sie deshalb der Schleifmühle angeboten. Der Stadtgeschichts- und -museumsverein Schwerin e.V. beabsichtigt, die Säge nach der erforderlichen Konservierung im Freigelände der Schweriner Schleifmühle wieder aufzubauen. Zwar ist aus statischen Gründen an eine Inbetriebnahme zur Zeit nicht zu denken, dennoch ist das Objekt besonders geeignet, den Besuchern der Schleifmühle zukünftig die technische Entwicklung des Schneidens von Steinen zu veranschaulichen.

Aufgrund der Dimensionen der Säge und des Gewichts der einzelnen Teile stellen Abbau, Transport und Wiederaufbau eine besondere Aufgabe dar, deren Lösung nur mit Unterstützung durch Dritte möglich ist.

Abbau und Transport sind mittlerweile erfolgt, finanziert ausschließlich aus Mitteln des Stadtgeschichts- und museumsvereins. Fachlich werden alle Maßnahmen von einem Restaurator, der auf technische Kulturgüter spezialisiert ist, begleitet; er hat auch bereits den Abbau dokumentiert. In Schwerin sind die Einzelteile zunächst in einer Halle der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft »Zukunftswerkstatt Schwerin e.V.« eingelagert, mit welcher der Stadtgeschichts- und museumsverein schon seit langem erfolgreich zusammenarbeitet. Im kommenden Jahr soll die Säge durch die Teilnehmer einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes gereinigt und konserviert werden. Diese sollen im Sommer 2003 auch den Wiederaufbau der Anlage auf dem Grundstück der Schleifmühle durchführen. Selbstverständlich werden auch diese Maßnahmen durch den Restaurator angeleitet und kontrolliert.
Im Spätsommer oder Herbst 2003 soll dann mit dem Sägegatter eine weitere Attraktion das Erlebnis eines Besuchs in der Schleifmühle bereichern und eine Lücke in der Vermittlung historischer Technik der Steinbearbeitung schließen helfen.
Auf den folgenden Seiten möchten wir das Projekt mit Fotos aus der bisherigen Arbeit vorstellen.



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